Die Würde des Menschen ist hörbar

Es erscheint zunächst eine absurde Idee zu sein, Gesetzestexte vertonen zu wollen. Was haben trockene Paragrafen mit Musik zu tun? Das fragten sich auch die Musiker und ich als Musikvermittlerin, als uns der Vorschlag gemacht wurde, im Rahmen der Denkfabrik von Deutschlandfunk Kultur zum Jubiläum des Grungesetzes ein Projekt zu starten. Doch mittlerweile kann man getrost sagen: Je absurder die Aufgabenstellung zunächst wirkt, desto kreativer sind die Lösungen!

An der Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg sind vier sehr unterschiedliche Gruppen zur Zeit damit beschäftigt, Musik zu erfinden. Musik, die etwas mit dem Grundgesetz, genauer gesagt mit den Grundrechten zu tun hat. Eine 7., eine 10. und ein Musik-LK der 13. Klasse sowie eine Willkommensklasse sind Teil des Projekts, betreut werden sie von den KomponistInnen Steffi Weismann, Bernadette La Hengst, Christoph Coburger und dem RSB-Musiker Rudolf Döbler.

Steffi Weismann mit Schülerinnen

In Zeiten von „Fridays for future“ ist die Bereischaft, über Politik zu diskutieren auch bei Jugendlichen gewachsen. Also wird zunächst einmal gesprochen, erörtert und bisweilen auch gestritten.Was bedeutet „Versammlungsfreiheit“? Wie ist das mit dem Recht auf Asyl und was verstehen wir unter „Gleichheit“? Was genau ist die vielbeschworene „Meinungsfreiheit“, welche ja zur Zeit ausgerechnet solche Parteien ständig für sich reklamieren, die selber nicht wirklich auf dem Boden des Grundgesetzes stehen? Und warum steht der Umweltschutz nicht im Grundgesetz?

In jeder Gruppe entstehen sehr unterschiedliche Ideen. Der Musik-Leistungskurs assoziiert zu den Paragrafen: Artikel 16a – Reggae, Artikel 8 – Minimal Music, Artikel 3 – klassisches Streichquintett. Die Willkommensklasse baut erst einmal Instrumente, weil sie keine eigenen hat, die SchülerInnen der 7. Klasse wollen unbedingt als Klassenorchester auf den Instrumenten spielen, die sie gerade erst begonnen haben zu lernen. Marianne Grenz, die unermüdlich engagierte Musiklehrerein arrangiert also die Nationalhymne. Künstlerische Verfremdung ergibt sich hier ganz automatisch….
Die Bandbreite der Ergebnisse ist groß und alles wird dann auch noch von den SchülerInnen selber umgesetzt. Wir können das alleine!
Hier eine kleine Hörprobe aus dem Probenprozess der 10. Klasse, die zu verschiedenen Songs inspiriert wurde:

„Speak out loud“ – Klasse 10 mit Bernadette La Hengst

Und wer das Stück in Gänze hören möchte, kann dies im Januar tun. Am 8. 1. um 18.30 Uhr werden die gesammelten Paragrafen-Werke in der Aula der Sophie-Scholl-Schule über die Bühne gehen. Unzensiert, versteht sich, denn wie sagt Artikel 5: Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei!

Ein Beitrag von
Isabel Stegner

Das Projekt wird gefördert vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung und ist Teil der Denkwerkstatt von Deutschlandfunk Kultur.

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