Überraschung! Rapauke im Reich der Fantasie

Gudrun 2Die RSB-Oboistin Gudrun Vogler hat ihre ganz persönlichen Eindrücke vom letzten Rapauke-Konzert der Saison spontan zu Papier gebracht:

Eigentlich lief alles wie immer: wir profitierten von einer seriösen Vorbereitung, einem akribisch präparierten szenischem Material, von einer guten Story, von einem gelungenen Netzwerk und gründlichen musikalischen Proben …..
Das erste Konzert war bereits gespielt und wurde ein Erfolg!
So könnte es für mich bis ans Ende aller Tage gehen.
Aber genau dann kommt mal eben gerne das Leben vorbei…
Was passiert, wenn mal was schief geht – entstehen nicht gerade dann die kreativen Momente?

56887021_10157171873899190_2039273119503351808_nWir sammelten uns im Nebenraum und sortierten uns für das zweite Konzert.
Uns erreichte eine Nachricht von Jule Greiner :
„Die Kinder aus der UdK-Kita sind nicht gekommen!“
„Was?“
„Tatsächlich?“
„Es sind doch bis jetzt nur Kinder von der Weddinger Kita da!“
„Aber dann spielen wir doch nur für fünfundzwanzig Kinder.“
Tja – kann ja mal vorkommen, dass mit einer Kita was passiert ist. Plötzlich ist der herausgeputzte und ausgestaltete Raum im Kinderkünste Zentrum nur halbvoll.
Aber wir sind Profis! Konzert ist Konzert! Und die, die gekommen sind, WOLLTEN kommen. Für sie werden wir spielen – egal wie viele es sind.

Man hörte im Hintergrund singende Kinderstimmen. Nicht besonders laut aber anhaltend und im Chor. Wir achteten nicht darauf und beratschlagten, ob wir das Programm bisschen ändern. Vielleicht ein wenig auflockern? Die neue Situation ist ja nicht nur Begrenzung sondern auch Öffnung. Während wir so überlegten, kam Jule Greiner noch einmal herein und sagte: „Mensch- die Kinder draußen können echt gut singen! Strophen ohne Ende und laut und kräftig!“
Aber es blieb keine Zeit mehr für diese Nachricht. Das zweite Konzert musste beginnen.
Isabel Stegner schickte uns zur Ausgangsposition, Jule und Rapauke rüsteten sich zum Auftritt und wir, die Musiker, setzten an zur Intrada von F. Farkas.

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Alles lief nach Plan. Zwischen den Musikstücken, wenn Isabel und Jule mit Rapauke den Erzählfaden sponnen, gab es etwas Zeit, ins Publikum zu schauen: Es waren wirklich wenig Zuhörer da!
Während normalerweise die bunten Kinderkissen und -hocker bis auf`’s Letzte belegt waren und sich in den hinteren Reihen Eltern und Großeltern drängten, saßen jetzt nur drei handvoll Kinder mit Erziehern im Raum. Etliche Stühlchen blieben leer. Es sah nicht trostlos aus. Man konnte nun wieder gut die Wandgestaltung sehen. Wer jedoch die gespannte Konzertatmosphäre bei knallgefülltem Raum kennt, vermisst etwas.

Aber wie wertvoll waren die Konzertelemente:
Jule spricht die Kinder an und sie reagieren offen und neugierig. Die Kids sollen der Musik zuhören und sie lauschen mit Ohren und Augen.Die Kleinen werden eingeladen, Bewegungen mitzumachen und von temperamentvoll bis verträumt ist alles an Reaktion mit dabei. Es wurde ein schönes und lebendiges Konzert!
Mir fiel besonders ein kleiner Junge der auf, der wie ein Solist auf seinem Stühlchen saß. In seiner Ecke waren keine weiteren Kinder, die ihn hätten verdecken können. So konnte er super sehen und fühlte sich auf direkteste Weise auch angesprochen! Eine Augenweide!

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Nun war das Konzert zu Ende. Die Verabschiedung lag schon in der Luft.
Aber nein – es gab noch sieben Minuten für Zugabe und Ausklang.
Da erinnerte sich Jule Greiner, dass genau diese Kinder so besonders gut singen konnten.
Ganz spontan lud sie die Kinder ein, mit den Musikern ihre Plätze zu tauschen und uns eine Kostprobe ihres Könnens zu geben.
Kinder auf der Bühne – Musiker im Publikum. Irgendwie war das im Moment, in diesem Raum und mit allen Beteiligten ganz einfach möglich. Es gab nicht die Spur von Widerstand. Im Konzert war man ja schon ein bißchen zusammengewachsen. Nun übernahm der Raum des Kinderkünste Zentrums die Funktion des Wohnzimmers mit Kindern und die Musiker waren zu Besuch!

Sieben Menschen im Publikum – 25 kleine und drei große Menschen auf der Bühne.
Die Erzieherinnen verrieten, dass ihre Kitagruppe immer mit einer Dirigentin arbeitete und ein zartes blondes Mädchen wurde nach vorne gebeten. Selbstbewusst nahm sie ihren Platz vor den Kindern ein, breitete ihre Ärmchen aus und begann sie zu schwenken. Der Kinderchor erklang. Die Erzieher sangen zur Verstärkung mit. Kräftig und fröhlich schmetterten sie IHR Berlin-Lied. Man merkte, dass sie das Lied mochten und die Kinder kannten sehr wohl das, wovon sie sangen.

Der Anblick, der sich einem bot, war herzerwärmend und ein bisschen entwaffnend.
Wann sieht man schon mal 25 Kinder aus allernächster Nähe, die mit gerader Haltung stehen, singen und einen sogar direkt ansehen.
Es gab keinen Stress bei Stophenanfängen oder Refrainüberleitungen. Das Lied saß.
Drei Strophen habe ich in Erinnerung. Oder waren es vier? Und alle handelten von Spree und Fernsehturm. Welch aufmerksame Arbeit von den Erziehern: im Kinderkünste Zentrum war eine Ausstellung gestaltet zum Thema Berlin! Genau diese Ausstellung bildete Grundlage und Umrahmung unserer Rapauke Geschichte „ Rapauke im Land der Fantasie“. Natürlich kann es auch Zufall gewesen sein, dass die Kinder gerade jetzt ein Lied über Berlin gelernt hatten. Aber es passte perfekt zu unserem Projekt!

Tobender Beifall und Bravos von uns nach Gesangsende !! Wir waren entzückt! Hingerissen! Die Erzieher schmunzelten. Aber die Drei-bis Fünfjährigen konnten mit der Belohnungsgeste nichts anfangen. Sie sahen unschlüssig drein und wurden ein bisschen ungeduldig, als das komische Geräusch anhielt. Sie wussten irgendwie nicht, was sie machen sollten. Naja – der Anfang für eine „Chorkarriere“ war jedenfalls gemacht. Beifall -genießen -lernen kann man ja jederzeit noch nachholen..

Ich bin schon das vierte Jahr im Rapaukerennen, aber so einen Abschluß habe ich noch nicht erlebt.Wer weiß, ob sich diese Situation des Rollentausches so selbstverständlich ergeben hätte, wenn der Raum knackevoll gewesen und die erwartete Kita pünktlich erschienen wäre….?

Ein Beitrag von
Gudrun Vogler

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