Der Däumling wird lebendig

In einer Projektwoche erarbeiteten die Geigerin Juliane Manyak, Mitglied des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin (RSB), und die Künstlerin Lara Faroqhi zusammen mit Schülern der 5. Klasse der Heinrich-Zille-Grundschule eine zeichnerische Animation zu verschiedenen Märchenfiguren und deren identitätsstiftender Wirkung.
Dafür besuchte die Klasse zunächst das Familienkonzert des RSB „Die Welt der Märchen“ am 11.März 2019 im Haus des Rundfunks.

Bild 3Der Konzertbesuch war ein ganz spezielles Ereignis für die Gruppe. Von Kreuzberg dauert es über 40 Minuten, um zur Masurenallee zu fahren, wo das RSB Ravels „Ma Mère l’oye“ vorstellte. Manche Kinder hatten ein Konzertgebäude noch nie betreten, alle waren von der Größe, dem Aufbau, der Orchesterbühne mit den vielen unterschiedlichen Instrumenten sowie der Architektur sehr beeindruckt. Vielleicht war es für die Klasse auch aufregend zu sehen, wie voll besetzt mit anderen Schulklassen der Saal war, viele von ihnen wirkten aktiv auf der Bühne mit, während das Orchester spielte – ein buntes und anregendes Ereignis.

Es war schön zu sehen, wie aufmerksam die Kinder dem musikalisch-szenischen Geschehen folgten. Wenn der Moderator Juri Tetzlaff das junge Publikum fragte, welches Instrument denn den Däumling vorstellt, meldete sich fast der ganze Konzertsaal, viele Kinder wussten, dass es die Oboe ist, die Däumlings Melodie spielt.

Wir hatten vorab im Unterricht erzählt, dass wir zu dieser Musik später eine Animation erarbeiten würden. Für die Aufführung hatte Lara im Vorfeld mit drei Schülerinnen der Klasse eine musikalischen Szene zeichnerisch-bewegt für die Bühnenaufführung erarbeitet (Dornröschens Hecke, diesen Film könnt ihr auch sehen). Als der Film im Konzert lief, sprachen mich einige Jungs der Klasse an und fragten beeindruckt, ob wir „so etwas“ auch im Unterricht machen würden, was wir bejahen konnten. Die Neugier war geweckt!

Die SchülerInnen erfuhren eine Woche lang in Grundzügen die Wirkung der impressionistischen Musik von Ravels „Ma Mère l’oye“. Sie erprobten hörend-assoziativ und im Anschluss an das Hörerlebnis ihre Erkenntnisse zeichnerisch. Dabei sollte das musikalische Erleben sinnlich nachvollzogen werden, etwa im gestischen Zeichnen zu Musik sowie in Begegnungen mit Musikern und Instrumenten. Die Bewegung selbst wurde zum Thema; da die Musik niemals still stand, konnten die Bilder, welche zu ihr entstanden, ebenfalls nicht stillstehen.

Die Musik von Ravel ist Kindern in diesem Alter sehr nah, wir hatten den Eindruck, dass sich fast alle von den Klängen verzaubern lassen konnten. So war es leicht, im weiteren Verlauf des Projekts anhand der Musik und des Märchens „Der kleine Däumling“ den Kindern unterschiedliche Figuren und Handlungsabläufe nahe zu bringen. Sie waren dem kleinen, schlauen Däumling von Anfang an sehr zugetan, konnten sich in seine Perspektive gut hinein versetzen und fanden so ganz spielerisch zu wirkungsvollen Bildumsetzungen.

Am Ende der Woche sind gezeichnete Märchenfiguren entstanden, die mit oder ohne Musik in Bewegung gesetzt wurden. Hierzu wurden die Grundprinzipien der Animation mit einer in der Bedienung fast intuitiv erfassbaren Mobiltelefon-App praktisch umgesetzt. Stühle und Pappen dienten als Stative.

Hier ist ein Zusammenschnitt von den unterschiedlichen Filmen zum kleinen Däumling zu sehen. Achtung, es wird ganz schön gruselig! Viel Spaß beim Schauen!

 

Ein Beitrag von
Lara Faroqhi und Juliane Manyak

Das Projekt wurde unterstützt mit Mitteln des Projektfonds Kulturelle Bildung des Bezirkes Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin

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