Ein Probenbesuch mal anders

Über einen besonderen Probenbesuch des Grundkurs Orchester (12. Jahrgang) der Sophie-Scholl-Schule beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin berichtet die Lehrerin Marianne Grenz:

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Probenbesuche können ein Highlight sein, kann man doch als Laie mal hinter die Kulissen der Arbeitsweise eines professionellen Orchesters schauen und gleichzeitig bereits auf sehr hohem Niveau der Musik lauschen. Normalerweise sitzen die Schülerinnen und Schüler und die begleitenden Lehrer in einiger Entfernung im Zuschauerraum und genießen die Musik und können von dort aus einige Probentechniken beobachten. Meist spielen die professionellen Musiker in diesen Proben schon so gut, dass sie vom Dirigenten kaum unterbrochen werden. Dieser gibt nur noch interpretatorische Hinweise, die eindrucksvoll, aber, vom Zuschauerraum aus, nicht immer im Publikum gehört werden. Dennoch, ein tolles Erlebnis.
Für die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Orchester (12. Jahrgang) ergab sich jedoch eine besondere Situation: Statt im Zuschauerraum zu sitzen, durften sie direkt mit auf der Bühne sitzen, mitten zwischen den Musikern, ohne jedoch die Abläufe zu stören. So saßen beispielsweise Marie und Sarah direkt in den zweiten Geigen, Olivia zwischen den Oboen und den Hörnern, Lea und Robert neben der Piccoloflöte (eine etwas schmerzhafte Erfahrung!!) und Milena neben den Fagotten und konnten mit in die Noten schauen, sie verfolgen und sich als Teil des Ganzen fühlen. Es ist erstaunlich, wie genau die Musiker zusammenspielen, wie sie selbst die schwersten Noten fehlerfrei interpretieren und dem Dirigenten genau folgen und wie anders die musikalische Wahrnehmung aus dem Orchester heraus ist, kommen doch die Klänge nicht nur von vorn, sondern von überall her. Alle Kursteilnehmer müssen den Impuls unterdrücken, nach dem ersten Stück gleich in Applaus zu verfallen. Und es ist überraschend, wie freundlich, aufgeschlossen und interessiert die Musiker den Schülerinnen und Schülern gegenüber auftreten. Kurze informative Gespräche entstehen, so erklärt beispielsweise der Musiker Enrico Palascino, auf welche Stellen die Schüler besonders achten können und der Flötist Rudolf Döbler leiht seine Partitur an verschiedene Schüler, die aufmerksam die Musik mit verfolgen.

Aber nicht nur das Orchester ist anwesend, sondern zur unseren großen Freude und Überraschung auch ein Solosänger, der große Chor der Berliner Singakademie und der Knabenchor des Staats-und Domchores. Geleitet wird das Ensemble von Vladimir Jurowski, dem neuen Chefdirigenten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Auf dem Programm stehen eine Bachkantate und die „Cantate de Noel“, ein Spätwerk von Arthur Honegger, das mehrere Weihnachtslieder in verschiedenen Sprachen auf kunstvolle Art miteinander vereint. So erklingen z.B. „Stille Nacht“, „Il est né, le divin enfant“ und „Oh, du Fröhliche“ in verschiedenen Klangschichten gleichzeitig, was besonders deutlich wird, als Vladimir Jurowski den Chor auffordert, immer nur eines der Lieder zu singen und die anderen erst einmal wegzulassen. Nur dann erkennt man die Lieder sofort: Sie wandern durch die verschiedenen Stimmen, mal im Sopran, mal im Kinderchor, mal im Bass. Freundlich und mit Humor leitet Vladimir Jurowski die Musiker an und in der Tat, waren auch für uns die Weihnachtslieder, die beim ersten Hören noch schwer zu identifizieren waren, plötzlich gut als verschiedene „Schichten“ zu erkennen.
bild7Später versuchten einige, das Stück noch einmal „vom Band“ zu hören. Was für ein Unterschied, fehlte dann doch die Klangfülle, die sich aus dem „Mittendrin“ ergeben hatte! Genau deswegen bleibt dieses Erlebnis so besonders: es war fast so, als hätten wir mitgespielt.

 

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Marianne Grenz

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