Musik in Deinem Körper

Im April waren Rapauke und sein Team wieder zu Gast im KinderKünsteZentrum. Mit im Publikum saß Maria Lendel, die das Konzert aufmerksam verfolgte und uns den folgenden schönen Text dazu geschickt hat:

„Das KinderKünsteZentrum ist heute voller Entdeckungsorte zum Thema „Körper“ – und mittendrin Rapauke und sein Team. Sie haben sich aus von der Decke hängenden, zur aktuellen Ausstellung gehörenden weißen Laken eine Bühne gebaut. Als alle sitzen, geht es auch gleich zur Sache: Ein Ausschnitt aus dem „Nussknacker“ treibt Isabel Stegner und Jule Greiner hinter den Laken hervor. Sie springen, weichen zurück, jagen und umtanzen sich. Mit humoristischen Gesten bringen die beiden Frauen mal Kampfgeist, mal Schalk und mal Zurückhaltung zum Ausdruck. Das fröhliche Musikstück wird immer schneller und bringt sie sogar leicht außer Puste. „Wollen wir es mal zusammen versuchen?“, schlägt Jule nach der anschließenden Begrüßung vor. Das ihr schon bekannte Publikum erweist sich an diesem Sonntagnachmittag zunächst als etwas träge, aber bald reißen die Musik und munteren Bewegungen alle Kinder mit.

„Und wer ist hier noch auf der Bühne?“, fragt Jule. „Rapauke!“, erkennen die Kinder sofort, und auch die Instrumente Geige, Fagott und Horn sind ihnen schon aus den vorangegangenen Rapauke-Konzerten vertraut. Nachdem sich jeder musikalisch vorgestellt hat, stimmen alle begeistert und souverän in den Rapauke-Kanon mit neuer 2. Strophe ein, die Jule und Isabel kurz vorsprechen und gestisch untermalen.

Plötzliches Tröten, was ist das? Die weißen Laken werden angehoben und hervor rollt der Violinist Steffen mit Helm und Hupe auf einem Skatebord und hält sich etwas an die Nase – na klar, eine Nasenflöte! So schnell wie er gekommen und Aufmerksamkeit und Gelächter geerntet hat, ist er auch schon wieder verschwunden und wird von einer weiteren Kuriosität abgelöst: Rapauke im Tutu! Sein „paukiger“ Umfang tut einem heiteren Tänzchen jedoch keinen Abbruch.

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Nanu, schon wieder eine Unterbrechung? „Ein Einhorn!“, jubeln die Kinder. Man hört es laut galoppieren. Was es mit Kokosnussschalen schafft, können auch Horn und Fagott – und die Kinder mit Füßen und Händen. Jule macht die gemeinsame Galopp-Choreografie vor und los geht’s! Bestimmt hätten sie einen Wettlauf gegen Schumanns dazu passend erklingenden „Wilden Reiter“ gewonnen.

Kaum in den Trab gefallen und angekommen, ertönt erneut ein merkwürdiges Geräusch im Bild- und Klangfeuerwerk dieses Konzerts. Isabel kommt mit einer Plexiglasscheibe vor dem Gesicht herein. Durch Öffnen und Schließen des Mundes kann sie den Klang verändern, den ein Schlägel durch Klopfen auf das Glas erzeugt. Und was passiert, wenn man Luft holt und…? Ein Hauchgedicht! „Das habt ihr bestimmt auch schon mit eurer Luft gemacht“, vermutet Jule. Und wenn nicht, hier eine Idee für die nächste Autofahrt. 😉

Plötzliche Aufregung: Die Kinder haben zwei schwarz behandschuhte Arme vor einem Laken entdeckt, die je nach wechselnder Musik zu zanken, schnattern, schnüffeln, kuscheln oder sich zu unterhalten scheinen. Ein spannendes Handtanztheater, bis…

Rapauke Körper Hände„Was soll das?, ruft ein aufmerksames Kind in die gerade zart klingende Musik hinein, „Was sind das für weiße Kugeln an deiner Hand?“ Tatsächlich ziert Jules Hand ein merkwürdiger Handschuh, mit dessen Kugelfingern sie Instrumente, Gegenstände und sogar ihre Kollegen beklopft. „Hört mal, mein Kopf klingt ganz anders als mein Bauch oder – da bin ich sicher – ein Fuß von euch. Probiert es mit euren Händen mal vorsichtig an euch selbst aus“, lädt Isabel ein. „Und wenn ich den Mund auf und zu mache und leicht dagegen klopfe…“ – das versuchen die Kinder gleich auch einmal.

Gliedmaßen können also Musik machen – aber was passiert, wenn sie Musik hören? Rapauke tanzt und singt vor, wie sie rhythmisch auf Musik reagieren könnten. „Und wo habt ihr euren Kopf, euren Arm und euren Po?“, fragt Rapauke und stimmt ein Lied an, in dem alle dies wunderbar gemeinsam zeigen können.

Und wo verbinden sich Körper und Musik am besten? Genau, im Tanz: „Dieser Ringeltanz heißt Polka, vielleicht habt ihr ihn schon einmal auf Festen gesehen. Wir zeigen vor, aber ihr könnt auch gleich schon mitmachen, wenn ihr wollt“, ermuntern Jule. „Ist das nicht zu schwer für die Kinder?“, flüstert ein Elternteil einem anderen zu. Tatsächlich brauchen die Kinder ein paar Wiederholungen, um Rhythmus und Bewegung aufnehmen – aber genau für diesen Zweck wird ja wiederholt. Die Kinder haben Freude daran schnell „hinterher“ zu kommen und wollen gar nicht lange zusehen.

20180414_Rapauke_c_Robert_Niemeyer024klein5Ein heller Ton geht der Ankunft neuer Konzertteilnehmer voraus: Glasgeister. Sie sind zwar unsichtbar, haben jedoch einen Einfluss auf Jule, deren Oberkörper zusammensackt. „Bei Jule ist die Luft raus“, erschreckt Isabel. Da helfen die Kinder gern sie wieder aufzupumpen: Im Rhythmus zu „The Pink Panther“ pusten sie gemeinsam wie in eine Luftmatratze.

Nun war die Musik schon in allen Körperteilen, in der Stimme und der eigenen Atemluft – war sie auch schon in den Fingern? Für deren Kreativität ist nun Zeit: „Wer hat denn Knöpfe mitgebracht?“, fragt Isabel. Es zeigt sich, dass die meisten der Aufforderung vom letzten Rapauke-Konzert nachgekommen sind – dann kann es ja losgehen. Auf der Bühne können sich Ersatzknöpfe und bunte Gummibänder abgeholt werden, und in einem kurzen Gewusel und mit elterlicher Unterstützung entstehen in wenigen Minuten Musikinstrumente: Fingerkastagnetten! Eine tolle Idee, finden nicht nur die Kleinen, da klappert auch gern so manch Erwachsener mit. Stolz zeigen sich die Kinder gegenseitig ihre selbstgebauten Instrumente an Daumen und Zeigefinger und erfüllen den Raum mit wilder, aber ohrenschonend zarter Knopfpercussion. „Wollen wir zusammen spielen?“, will Jule wissen und erhält ein begeistertes „Jaaaaa“ als Antwort. Wie wunderbar die Klänge, diesmal im Rhythmus, zum „Wilden Reiter“ passen, den die Kinder gleich wiedererkennen. Mit ein bisschen koordinativem Geschick kann dazu gesprungen und galoppiert werden, wie die Kinder es schon vom Konzertanfang kennen. Und wenn Knöpfe außerhalb des Rhythmus‘ erklingen, macht das gar nichts – Hauptsache, die Musik im und mit dem ganzen Körper macht Spaß!

Und schon ist ein weiteres buntes Rapauke-Konzert vorbei. Applaus für die Darsteller und Musiker! „Das habt ihr super gemacht!“, rufen Isabel und Jule und klatschen ihrerseits für ihr aufmerksames junges Publikum. „Bis zum nächsten Mal!“, freuen sich alle und klappern zum Abschied fröhlich mit ihren Fingerkastagnetten.“

Text: Maria Lendel
Fotos: Rober Niemeyer

Ein Beitrag von
Isabel Stegner

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