Einladung zur Präsentation: Hoffnung in Zeiten des Krieges

 

IMG_7201

„Ihr seid jetzt in der Situation eines Komponisten, der einen Kompositionsauftrag bekommen hat.“ Treffender hätte Dorothee Muschter, Autorin, Psychologin und Synchronregisseurin das Anliegen des Projekts „Hoffnung in Zeiten des Krieges“ gegenüber den Schülerinnen und Schülern nicht ausdrücken können. Auf Einladung des RSB stand sie den beteiligten Musikern als Expertin für den sprachlichen Anteil eines zu entwickelnden Melodrams zur Seite.

Der Chefdirigent des RSB Vladimir Jurowski selbst gab die Anregung zu einem Musikvermittlungsprojekt, in dem sich Oberschüler aktiv mit den beiden Werke „Julius Fučik“ von Luigi Nono und „Ein Überlebender aus Warschau“ von Arnold Schönberg auseinandersetzen.

Bildschirmfoto 2018-01-26 um 09.05.51

Sowohl das 1947 entstandene Spätwerk Schönbergs, sowie das 1951 im Todesjahr Schönbergs entstandene Werk Nonos beschäftigen sich mit den Gräueltaten der Nazidiktatur. Beide Komponisten bedienten sich dabei dokumentarischer Texte und vertonten diese als Melodram, also als Zusammenwirken von gesprochenem Text und Musik. Beide Werke waren Teil von Konzertprogrammen, die Vladimir Jurowski in der zweiten Jahreshälfte 2017 beim RSB dirigierte.

Der erwähnte „Kompositionsauftrag“ bestand für die Schülerinnen und Schüler nun darin, ausgehend von den beiden Schlüsselwerken ein eigenes Melodram zu entwickeln, das sich mit gegenwärtigen Situationen von Leben in Gewalt, in Diktaturen oder im weiteren Sinne mit Krieg und Hoffnung auseinandersetzt.

Das war dann gar nicht so einfach! Zwar handelte es sich bei den beteiligten Kursen um einen Leistungskurs Musik Klasse 12 des Kantgymnasium in Spandau und einen Musik-Profilkurs Klasse 11 der Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg. Aber was heißt „Komponieren“? Was ist ein kreativer Prozess? Wie schafft man wirklich etwas Neues?

 

Bildschirmfoto 2018-01-26 um 09.12.25

Leon (17) vom Kantgymnasium Spandau drückt das so aus: „Was am Wichtigsten ist…ist, sich auf Situationen einzustellen, auf die wir vielleicht nicht vorbereitet sind. … Da komponiert man einfach fünf Takte, da denkt man sich: ok, verdammt, wie soll ich das machen?“ Er war richtig verwundert, dass am Ende eines solchen Prozesses idealerweise mehr herauskommt, als man sich erhoffen konnte: „Tatsächlich habe ich es mir nicht so gut vorgestellt, wie es jetzt ist!“

Doch am Anfang stand für alle die Unsicherheit: „Als wir mit dem Projekt angefangen hatten, hatte ich noch nicht wirklich eine Vorstellung davon, was Zwölftonmusik ist. Als man uns gezeigt hat, wie man ein Stück aus zwölf Tönen entwickelt, habe ich gedacht, dass es total langweilig klingen muss….Als ich über alles nachgedacht habe, habe ich erst mal verstanden, wie stark Musik sein kann, und wie sehr das einen Menschen beeinflussen kann.“ (Schülerin der Sophie-Scholl-Schule)

 

In der Sophie-Scholl-Schule ging die RSB-Cellistin Ringela Riemke zusammen mit der Musiklehrerin Marianne Grenz zunächst folgenden Fragen nach: Wie kann ich eine Zwölftonreihe erfinden? Was steckt in der Reihe? Wie wirken die verschiedenen Intervalle? Wie kann ich überhaupt damit ein Stück komponieren, das Krieg und Hoffnung ausdrückt? Es wurde viel improvisiert, ausprobiert, verworfen, hinterfragt und wieder neu versucht.

Und wie beim „richtigen Komponieren“ ging der Weg zum neuen Werk auch über die Bestandsaufnahme der vorhandenen Werke und eine Ideensammlung für das eigene Werk.

So auch im Kantgymnasium Spandau: Dort begannen die RSB-Musiker Gudrun Vogler (Oboe) und Rudolf Döbler (Flöte) mit Improvisations- und Sprachübungen. Zusammen mit Musiklehrer Henry Weit fragten sie die Schülerinnen und Schüler nach den ersten Eindrücken beim Hören der beiden Werke von Schönberg und Nono, um dann mit Partitur genauer in die Machart der Meisterwerke einzutauchen.

Der dort festgestellte Umgang mit Instrumenten, Rhythmus, Melodieführung, Sprache führte zum Aussortieren: Was wollen wir übernehmen? Was wollen wir gerade nicht so verwenden?

Aus Übungen zum zwölftönigen Komponieren, zur Textvertonung, und zur Suche nach einem „Hoffnungs“-Klang kristallisierten sich einzelne Teile eines neugeschaffenen Melodrams heraus. Bei der Frage nach zu verwendenden Texten insistierte Dorothee Muschter auf Authentizität als Ursprung eines kreativen Prozesses. Es ging nicht um die Frage: „Wo gibt es Krieg und Hoffnung auf der Welt?“ Sondern: „Wo gibt es Krieg und Hoffnung für mich und in mir?“. So war schnell klar, dass nur eigene Texte der Schülerinnen und Schüler wirklich Neues bewirken können. Mittels Soundpainting, einer Klanggestensprache, wurden diese Texte ins musikalischen Gewebe eingefügt.

Bildschirmfoto 2018-01-26 um 08.57.03

Und am Ende heißt es für alle: proben, proben, proben! Denn neue Werke verlangen nach Uraufführungen. Diese finden für die Projektergebnisse beider Schulen am Montag, den 19. Februar 2018 um 18 Uhr in der Aula des Kantgymnasiums Spandau statt. Neben der Aufführung der beiden Melodramen wird in Wort, Bild und Ton Einblick in den Arbeitsprozess gegeben.

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei – seien Sie herzlich dazu eingeladen!

Ein Gedanke zu “Einladung zur Präsentation: Hoffnung in Zeiten des Krieges

  1. Pingback: Versöhnung beginnt in der menschlichen Begegnung | Rapaukes Klangwelt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s