Mozart Visuell – im Händelgymnasium

P1060107Zusammen mit der Künstlerin Maja Oschmann durfte ich, Rudolf Döbler, Flötist beim RSB, im Rahmen unseres Projekts zu Mozarts Requiem zwei Projekttage mit der Klasse 5b des Händelgymnasiums verbringen.

Warum gehen wir in ein Musikgymnasium, wo doch die Schüler dort ohnehin alle ein Instrument spielen oder singen?

Für mich liegt die Antwort darin: mittels der bildenden Kunst  können wir nochmal ganz andere Zugänge zur klassischen Musik zu schaffen – und das ist auch für musikspielende Kinder spannend. Wir RSB-Musiker durften Maja Oschmanns Konzept zur bildnerischen Umsetzung von Musik selbst in einer Fortbildung erleben – und ich war sehr begeistert. Die spannende Frage war nun: werden sich die Fünftklässer auch darauf einlassen?

Es gab elementare Aufwärmübungen mit Kohlestift und Japanpinsel. Schon da erstaunte mich, mit welcher Konzentration die Schülerinnen und Schüler bei der Sache waren. Die Materialerkundung – Linie / Fläche / stark und weniger stark aufdrücken – verfolgte die Klasse mit einer beeindruckenden Ernsthaftigkeit trotz des sehr abstrakten Arbeitens. Die ersten wunderbaren Bilder entstanden.

Und doch hatte auch das Rebellische, das Umgehen der Regeln, seinen kreativen Platz – und so manch einer schuf dadurch sehr ehrliche bildnerische Zeichen mit großer Ausdruckskraft.

Zu „Spiegel im Spiegel“ von Arvo Pärt gab es erste Versuche, Klänge in bildnerische Zeichen umzusetzen. Das Stück für Violine und Klavier hat eine klare Struktur: lange Geigentöne ziehen sich durch langsam gebrochene Dreiklänge des Klaviers. Dass die Kinder hier sofort unglaublich schöne Ergebnisse erzielten, liegt an Maja Oschmanns klug aufeinander aufgebauten Vorübungen.

Ihre Idee ist eigentlich ganz einfach: Kunst und Musik entstehen aus Bewegung! Wozu bewegt mich die Musik? Zu welcher Bewegung regt die Musik meinen Körper, meine Arme, meine Hände an? Und aus dieser Bewegung heraus entstehen bildnerische Zeichen, die so gar nicht planbar sind.

Arvo Pärts Musik bewirkte zugleich eine fast „heilige“ Atmosphäre der Konzentration. Als Zuschauer konnte ich das richtig spüren. Für mich als Musiker war es nun spannend, schon mal den nächsten Schritt des Projekts vorwegzunehmen, den wir in der kommenden Woche dann auch mit den Kindern gehen wollen: Die Rückvertonung der entstandenen Bilder. Ich suchte mir vier Bilder aus. Dabei stellte ich fest, wie unterschiedlich sich ein Bild umsetzen läßt: Ich kann es als Partitur lesen, und die Zeichen quasi eins zu eins in „Klangzeichen“ umsetzen. Zum Beispiel oben ist hoch, unten ist tief, dick ist laut, dünn ist leise, Punkt ist kurz, Linie ist lang. Ich kann es von links nach rechts lesen oder kann mich frei im Bild bewegen. Oder ich kann mich in die Atmosphäre eines Bildes begeben. Eine Möglichkeit ist auch, die Bewegung innerlich zurückzuverfolgen, aus der das Bild entstanden ist, und daraus neue Klänge zu entwickeln. Es machte mir jedenfalls viel Spass, Verschiedenes auszuprobieren, und  die Schülerinnen und Schüler riefen sogar: „Zugabe, Zugabe!“.

Das „Finale“ der beiden Projekttage mündete in die bildnerische Umsetzung des „Lacrimosa“ aus Mozarts Requiem. Wir hörten hin, welche musikalischen Ebenen wir wahrnehmen konnten. Und wieder lag beim Malen und Zeichnen die kreative Stimmung in der Luft. Das wird eine besondere Ausstellung in der Schule werden!

Nun bin ich gespannt, wie es nächste Woche weitergeht: Alle Schülerinnen und Schüler werden ihre Instrumente mitbringen. Werden sie sich auch auf eine abstrakte Musiksprache einlassen und sich selbst aus der (inneren) Bewegung heraus zum Klingen bringen?

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