Zu Hause in zwei Welten

elefantenkopf-2…ein kleiner Elefant, vielleicht 3 Jahre alt, lebt mit seiner Mutter irgendwo im fernen Dschungel. Er heißt Babar. Wenn er nicht gerade mit seinen Freunden im Sand spielt, liegt er am allerliebsten auf dem Rüssel seiner Mutter, die ihn dann langsam in den Schlaf wiegt. Eines schlimmen Tages werden die beiden von einem Jäger bedroht. Babar bekommt einen riesigen Schreck und voller Panik läuft er und läuft und läuft… Doch irgendwann bemerkt er, dass sich die Welt um ihn herum vollkommen verändert hat. Er sieht herumeilende Tiere auf zwei Beinen, die Kleider, Hosen und Mäntel anhaben. Hupende Autos, quietschende Straßenbahnen, großer Lärm. Aber Babar hat keine Angst. Voller Neugier betrachtet er eine neue Welt. Die Stadt der Menschen…

So, oder so ähnlich beginnt eine musikalische Geschichte, die das RSB ganz in den Mittelpunkt seines diesjährigen Schülerprojekts gestellt hat:
„Babar der kleine Elefant“ von Francis Poulenc.

Eine Geschichte, die auf spielerische Weise sehr aktuelle Themen wie Flucht, Leben in fremder Umgebung, Willkommensein, aber auch Freundschaft und Liebe oder Status durch Besitz in den Fokus rückt. Um den Blick auf die essentiellen Themen dieser Geschichte zu lenken, haben sich die verantwortlichen RSB-Musiker entschlossen, dem Schülerprojekt den Titel

Zu Hause in zwei Welten

zu geben. Und so lag der Gedanke nicht fern, bei unserem Projekt ganz bewusst auch Schüler mit einem anderen kulturellen Hintergrund einzubeziehen.

img_9166Vor einigen Tagen habe ich mich mit weiteren Musikern und unserer Musikvermittlerin Isabel Stegner nach Kladow aufgemacht. Unser Ziel: Die „Grundschule am Ritterfeld“, in der wir zwei 1. Klassen die Geschichte des kleinen Elefanten musikalisch nahe bringen wollten. Das Besondere daran: Die eine der beiden Klassen ist eine Willkommensklasse. Kinder aus Syrien und Afghanistan gehen hier ihre ersten Schritte, die deutsche Sprache zu erlernen und sich in einer für sie fremdartigen Gesellschaft zurecht zu finden.

bildUm die Kinder ganz intuitiv auf die Geschichte und ihre Musik einzustimmen, spielten wir erst einmal ein kleines Konzert. Drei kurze Stücke aus Poulencs „Babar“, die ganz bildhaft Szenen der Geschichte darstellen: Das Wiegen im Rüssel der Mutter, die Morgengymnastik mit der alten Dame, Babars erste Autofahrt. Um die Schüler sofort dazu zu animieren, auf die Musik mit Bewegungen einzugehen, erlernten sie, quasi im Vorbeigehen, erste Grundlagen der musikalischen Gestensprache Soundpainting.

sp_titelMit Hilfe dieser Gestensprache ist es möglich, mit intuitiv erfassbaren Bewegungen Gruppen von Menschen zum gemeinsamen Musizieren zu bringen. Dabei ist es vollkommen egal, ob diese Menschen, ob klein oder groß, irgendwelche musikalischen Vorkenntnisse haben. Aus diesem Grunde ist auch die Soundpainting-Expertin Sabine Vogel von diesem ersten Augenblick unseres Projekts an dabei. Es war faszinierend zu erleben, wie den beteiligten Kindern schon ganz zu Beginn der ersten Stunde klar wurde, dass sie mit dem bloßen Aussprechen ihres eigenen Namens und durch die Anleitung Sabines plötzlich zu einer gemeinsam agierenden Musikgruppe wurden.

Im Laufe der nächsten Monate werden sich auch weitere Musiker des RSB mit dieser faszinierenden Technik auseinandersetzen. So können dann die Musiker mittels ihrer neu erworbenen Kenntnisse gemeinsam mit Schülern erforschen, wie ein Dschungel klingt, wie es tönt, wenn Elefanten hinter Autos hinterherrennen, oder wie es sich wohl anhören würde, wenn Babar einen gestreiften Mantel trüge..

Nach den Herbstferien werden sich noch viele weitere Schüler von Berliner Grundschulen aufmachen, ihren kleinen Elefanten Babar musikalisch vom Dschungel in die große Stadt und wieder zurück zu geleiten – und das anregend und umsichtig begleitet von Musikern des RSB.

Spätestens am 17. und 18. Februar 2017 werden wir sie dann alle zusammen auf, neben und hinter der Bühne des Hauses des Rundfunks wiedersehen und wiederhören – beim großen Schüler- und Familienkonzert des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Ich werde dann als Dirigent gemeinsam mit dem RSB die große Freude haben, das Publikum und die beteiligten Schüler durch die verschlungenen Lebenswege von Babar, dem kleinen Elefanten, zu führen.

probenbesuchei

Ein Beitrag von
Steffen Tast

 

 

Bilder: Juliane Manyak, Kai Bienert, Isabel Stegner

 

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