Alles auf dem Weg

27.5.2015 Juliane Manyak

Wir sind an einem Punkt, an dem wir laufen müssen, Es laufen lassen müssen. Die Schüler werden in dieser Stunde ihren Weg suchen.
Das Handwerkszeug zur Umsetzung unserer künstlerischen Idee „Erweiterung der Partitur durch zum Ausdruck gebrachten Inhalt“
hat Lara Faroqhi den Kindern in den letzten Stunden wunderbar vermittelt. Ich konnte Ihnen mit dem Instrument die Motive und Stimmungen der Komposition als kleine Ohrwürmer einspeisen.

Heute müssen die Kinder sich trauen.
Ihrer eigenen Intuition vertrauen, Ungewohntes wagen. Nicht unähnlich dem Schicksal des Däumlings.
Unsicherheit entsteht im Klassenraum. Die Materialien liegen bereit, aber wie anfangen?

Das Gefühl ist mir so vertraut. Der erste Ton auf dem eigenen Instrument ist manchmal genauso schwer hervorzubringen. Nicht im technischen Sinne. Aber wird er meiner Vorstellung entsprechen? Wird er berühren? Das ist die Frage, die man sich am Beginn des kreativen Prozesses stellt. Aber ist man im Tun, im Loslassen, in der Bewegung, dann fügt sich das Erlernte mit dem Empfundenen zu einer sehr persönlichen Aussage zusammen.

Ich bin beim Betrachten der Ergebnisse der heutigen Stunde wirklich begeistert.
Sie haben sich eingelassen.
Auf unseren Bogen mit Pinsel.

 

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Die heutige Stunde hatte zum Ziel, Teile der Partitur mit den „Bildern“, die Ravel in der Musik
„malt“ zu mischen. Wir haben nochmals alle Bilder benannt.

Der Weg mit dem Däumling darauf:

der Wald (der immer dichter wird),
eine Unruhe, vielleicht sogar Hoffnungslosigkeit,

die Vögel:

das Rauschen der Blätter:

der Däumling, der durch das Bestehen der Gefahr vom Cello geerdet ist und mit dem Herzen in der Flötenstimme singt, wieder auf seinem Weg,

Zweifel, Arbeit im Inneren:

die Hoffnung, das Licht, die Öffnung nach dem Wald.

All diese Bilder wurden anhand der Noten bestimmt. Dann boten wir den Kindern an, sich jeweils zwei zusammenhängende Partitur-Seiten als Untergrund zu wählen und darauf mit Farbe (möglichst nur komplementären Paaren), mit Wachspause-Zeichnung und / oder mit kopierten Auszügen der Partitur, die wir vorbereitet hatten, als Collagenmaterial für diesen Zweck kleiner oder größer kopiert. Auch das Verhältnis vom Däumling zu seiner Umwelt ist ja überproportioniert. So ist dabei das Däumlingsmotiv ganz klein, die Notation der Vögel jedoch ganz groß.

Anfangs hatten sowohl wir, als auch die Schüler Mühe mit der Komplexität dieser Aufgabenstellung.

Foto 27.05.15 20 50 29Ich schnitt dann exemplarisch ein „Weg“-Motiv aus und klebte es wie einen großen Weg über zwei Partiturblätter. Eine Schülerin schnitt sodann ein Däumlingssolo ganz klein kopiert aus und klebte es darauf. Dadruch verändert sich die Dynamik der Notation. Alles wird freier. Erst im Ausschneiden kann man sich von dem vorgegebenen Notenbild lösen. Nicht alle Schüler gingen darauf ein. Manche Kinder arbeiteten gleich mit Wasserfarbe in die Notenblöcke hinein, andere setzten Linien wie bedrohliche Bäume, oder wie einen sich schlängelnden Weg. Wieder andere Schüler benutzten Worte, um die Situation des Däumlings zu verdeutlichen.

Die Blätter sind noch nicht alle fertig und es blieb heute keine Zeit für eine Auswertung. Juliane, Andrea Busse (die uns so wohlwollend unterstützende Kunstlehrerin) und ich fanden beim raschen Durchsehen der Arbeiten viele spannungsvolle Momente und interessante und unterschiedliche Asspekte die wir in der nächsten Stunde herausstellen wollen. Auch haben wir noch Zeit, den einmal eingeschlagenen Weg, den die Schüler hier gehen zu wiederholen, zu vertiefen und eine zweite vielleicht unter anderen Aspekten gestaltete Arbeit anfertigen zu lassen.
Ravels Musik eignet sich großartig zum Einfühlen und gleichzeitigem Verfremden. Der Weg dahin ist, wie für den Däumling, nicht immer ganz leicht und klar. Aber die Werke sind großartige Zeugnisse dieser Entdeckungsreise. Ich habe es als großes Privileg verstanden, so frei mit den Schülern zu arbeiten.

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Ein Beitrag von Juliane Manyak und Lara Faroqhi

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