Lara Faroqhi

Woge No 20

Lara Faroqhi, Woge No 20, April 2014

Mit dabei bei „Pinsel und Bogen“ – mit Schwerpunkt „Pinsel“ – ist die Berliner Künstlerin Lara Faroqhi. Sie war selbst einmal Schülerin an der Sophie-Scholl-Schule, nun gehen ihre Kinder dorthin. Studiert und gearbeitet hat sie in London und New York, ihre Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen in Deutschland, Großbritannien, den USA und Neuseeland.

In unserem Projekt erarbeitet sie zusammen mit einer 7. Klasse und der Geigerin Juliane Manyak alternative, künstlerische Partituren zum „Däumling“ von Maurice Ravel. Nachdem Juliane im letzten Beitrag schon über die Arbeit mit den Schülern berichtet hat, hier nun die Sicht von Lara Faroqhi – sozusagen das gleiche Thema in einer anderen Klangfarbe:

„In der ersten Stunde hatte ich die Grundlagen von einfachsten zeichnerischen und malerischen Mitteln herausgestellt, um den Kindern ein Reportoire zu eröffnen. Die Klasse zeichnete mit Bleistift zuerst ohne Vorkenntnisse zur Musik, dabei blieb es den SchülerInnen frei überlassen, Figuren oder Linien zu ziehen. Einzige Auflage war, den Stift immer auf dem Blatt zu lassen (kontinuierliche Linie). Dann wurden immer nur einzelne Phrasen abgespielt (später spielte Juliane diese Phrasen auf der Geige, was die Aufmerksamkeit enorm steigerte), die Kinder zeichneten mit unterschiedlichen Materialien und Herangehensweisen dazu (Blei, Kohle, Wasserfarbe mit reinen Farben aus dem Farbkreis). Es war zu spüren, wie das Hören und Handlen sich dabei immer mehr anglichen. Was teilweise als Kritzelei begonnen hatte, wurde tief empfundenes Bewegen aus der akustischen Erfahrung heraus. Die Linien wurden zu einer Art Notenschrift oder bewegten Notenlinien, die den Musikverlauf vorwegnehmen.

In der folgenden Stunde wurden die Blätter mit den entsprechenden Komplementärfarben (rot/grün, blau/orange, gelb/lila) ergänzt, was die Farben „zum Strahlen“ brachte (so eine Schülerin).
Wichtig für den Ablauf der zweiten Stunde waren Juliane und mir, die Bilder von letzter Woche zu beenden (eine individuell erstellte farbige Partitur), die Geschichte vom Däumling und damit den Hintergrund der Musik zu erläutern und über differenzierte Stellen im Musikstück zu sprechen. Jule wollte darüber hinaus die Bedeutung von Klangfarben (im Kontrast / Einklang) in der Musik erarbeiten (was wir in der kommenden Stunde vertiefen werden).

Bild 8

Vorbereitete Linien für die eigene Partitur

Als erstes fertigten die Kinder eine Wachspause an, jede/r mit einer Farbe. Danach füllten sie die weißen Leerstellen zwischen den bunt gemalten Linien mit der jeweiligen Komplementäfarbe aus. Während die Klasse damit zu Gange war – mit überraschend viel Hingabe und Konzentrationsfähigkeit – las Jule die schön geschriebene französische Version vom Däumling von Charles Perrault vor. Das war eine sehr gelungene Zusammenführung, die Kinder versanken in diesem Tun und Hören.

Der Däumling

Der Däumling

Um das Musikstück noch tiefer zu verstehen, sollten die Kinder nach Hören des Däumlings erraten, welche Stelle der Geschichte hier behandelt wird. Ganz richtig hörten die Kinder den Weg heraus, auch das Unsichere, den Däumling selbst im solo (mit Julianes Hilfe), die Vögel (zu denen es ganz verschiedene Assoziationen gab, nicht alle empfanden die Vögel als bedrohlich), das Windgeräusch in den Blättern, auch die Angst, die Anspannung, die Hoffnung / das Licht am Schluß. Dazu bestimmten wir die jeweiligen Instrumente. Jule teilte zusätzlich die Partitur aus, damit die Kinder auch anhand des Notenbildes die Geschichte begreifen konnten. Es fiel den Kindern erstaunlich leicht, Bilder zu der spielenden Musik zu sehen und diese ernsthaft und stimmig wieder zu geben. So war es überraschend leicht, anschließend eine Art von Symbolsammlung zu machen. Dazu malten einzelne Kinder die vorher gesammelten Begriffe als Bilder an die Tafel auf. Da Vereinfachungen erwünscht sind, fiel dies nicht schwer und sorgte für viel Heiterkeit.

Bild 6

Die gefundenen Symbole für Däumling, Weg, Angst, Vögel, Wald etc. werden auf die Rückseite eines komplett mit Wachsstift bemalten Blatt Papier gezeichnet.

Mich hat tief berührt, wie selbstverständlich, ja angstfrei es den Kindern anschließend möglich war, beim wiederholten Abspielen der Musik auf die Wachspause (und damit auf die untergelegte Partiturmalerei) ihre Geschichte aufzuzeichnen. Sie waren sehr konzentriert am Werk. Juliane bemerkte, dass beim Verlassen des Klassenzimmers einzelne Kinder die Melodie vor sich her summten, so nah war diese Musik ihnen im verbundenen Arbeiten und Hören gekommen.“

Bild 1

 

Text von Lara Faroqhi

 

Ein Beitrag von Isabel Stegner

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