Ravel pfeift um die Ecke

Wenn wir Musiker im Klassenzimmer vor Schülern stehen, dann ist das glaube ich für jeden von uns eine besondere und aufregende Situation.
Zum einen, weil wir nicht wissen was wir tun. Nein! Das stimmt nur zum kleinen Teil.

Zum anderen sind wir, normalerweise Orchestermusiker, es gewohnt Dinge umzusetzen, die von uns verlangt werden. Also quasi in der Position der Schüler. Unter diesem Gesichtspunkt Schülern innerhalb eines Projektes wie jetzt, „Mit Pinsel und Bogen“ Elemente aus der Musik, aus Werken, Epochen und Berührung mit dem Komponisten zu vermitteln ist unglaublich spannend! Spannend, ob die eigene Vorbereitung greift, begriffen wird. Ob sich das eigene Verständnis und die Begeisterung überträgt. Ob man die richtigen Worte findet, sich die Aufmerksamkeit der Schüler verdient. Das alles braucht viel Gespür und Sensibilität.

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Lara Faroqhi im Klassenzimmer

Der Däumling

Der Däumling

Ich habe das große Glück mit der Künstlerin Lara Faroqhi zusammen arbeiten zu können. Wir haben Maurice Ravels „Kleinen Däumling“ aus „ma meré l oye“ als zu bearbeitendes Material. So dankbarer Stoff! Von musikalischer, wie auch von der künstlerisch gestaltenden Seite aus betrachtet! Heute, beim zweiten gemeinsamen Termin im Kunstraum kannten Lara und ich schon die Gesichter, die Stimmung, den Tonfall! Becher und Materialien werden ausgeteilt, alles braucht seine Zeit!

Diese Zeit fülle ich, in dem ich Philipp Glass spiele. Tonarten aneinander gereiht. Jeder Tonart eine Farbe. Vielleicht intuitiv.Die wellenförmige Bewegung, den fließenden Klang nehmen die Kinder sofort wahr. Und es war nur Pausenfüller. Keine Lektion. Trotzdem große Augen und Applaus. Das berührt mich, weil es spontan und ehrlich ist.

Die nächste Überraschung war die konzentrierte und versunkene Stille, während ich ihnen das Märchen von Perrault „Der kleine Däumling“ vorgelesen habe. Ich hätte vermutet, vorgelesen zu bekommen, zumal ein Märchen, wäre den Schülern eher peinlich. Aber es war ein wunderbarer Weg, die Ebenen zu vertiefen, die Bereitschaft, sich zu öffnen zu erhöhen Die Arbeit auf dem Papier lief wie von selbst. Als Ergebnis gelöster Konzentration.

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Vorbereitete Linien für die eigene Partitur

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Die gefundenen Symbole für Däumling, Weg, Angst, Vögel, Wald etc. werden auf die Rückseite eines komplett mit Wachsstift bemalten Blatt Papier gezeichnet.

Bild 5

Dadurch entsteht eine eigene, von persönlichen Impressionen geleitete Partitur, bzw. Notenblatt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2015-04-30 12.37.59Die Stunde endet, und Ravel bleibt im Kunstraum. Gepfiffen… Polytonal…
Auch eine schöne Klangfarbe…
Ein Beitrag von Juliane Manyak

 

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