Helden im Wandel der Zeit

Ein Interview zum Thema
Manfred Reschke: Jahrgang 1937, geboren in Mecklenburg,
Kind einer Flüchtlingsfamilie in der Nachkriegszeit,
später: Doktor der Sprachwissenschaften der Universität Rostock

Noch zu meiner Schulzeit, etwa achte Klasse , hatte ich keine Vorstellung von Held und Heldentum. Da habe ich im Aufsatz vor allen Dingen das geschrieben, was die Lehrerin hören wollte:
z.B. war im Korea Krieg ein Soldat für mich der Held, der für die richtige politische Seite die Bomben abschmiss.

Im Alter hat sich das stark verändert. Heute ist Heldentum für mich gar nicht so was Riesengroßes. Sondern ein Held ist eher jemand, der sich für einen oder andere einsetzt, ohne Rücksicht darauf, was das für ihn selber vielleicht für schlimme Konsequenzen haben kann. Dabei ist natürlich die Grenze zwischen Vorsicht und Mut fließend.

Ich weiß, dass diese selbstlose Einstellung heutzutage nicht gesellschaftsfähig ist, aber ich habe in meiner reiferen Jungend mit einiger Enttäuschung verstanden, dass alle Western- und Revolverhelden erfunden waren. Von da ab, habe ich auf die Wirklichkeit geguckt.

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Werbeaufschrift der Potsdamer Verkehrsbetriebe

Begleitet von Gudrun Vogler (RSB) und Eva-Maria Tralle (Kant-Gymnasium) gehen zur Zeit Spandauer Grundkurs-Schüler im Vorfeld des Konzerts „Beethoven – ein Held wie du und ich?“ auf die Suche danach, was einen Helden ausmacht. Was ist das Besondere an diesem Projekt und was macht es mit den Schülern? Hier die Antwort von Frau Vogler und Frau Tralle:

„Hinter jedem gelungenen und lebendigen Interview steht eine lustvolle Begegnung. Eine Begegnung, die getragen ist von Neugier und gutem Zuhören. Aber nicht jeder ist bereit, vor der Kamera in sich zu gehen oder etwas auszudrücken, was in ihm selber nur ein diffuses Bauchgefühl ist. Erst recht nicht, wenn das allgemeine Thema persönlich wird. Aber gerade darin liegt die Chance für das gemeinsame Partner-Projekt mit dem RSB.

Auf Menschen zuzugehen, ihnen Raum zu geben, sich zu öffnen, sie zu ermutigen, als Zeitzeugen aufzutreten, das Miteinander zwischen mehreren Generationen und Schnittstellen zu finden für ein gemeinsames Nach-vorn. Genau daran arbeiten Schülerinnen und Schüler des Kantgymnasiums in Zusammenarbeit mit Gudrun Vogler vom RSB im Rahmen des Projektes „Beethoven – ein Held wie du und ich?“. Nach einem theoretischen Input zu Interview-Techniken, befragen sie ihre Familie, Freunde und Musiker des RSB zum Thema „Helden im Wandel der Zeit“.

In jedem steckt das Zeug für einen Helden und gesunde Gesellschaften brauchen Helden. Sei es der große Beethoven in unserem Musikalltag oder die alleinerziehende Mutter in der viel zu teuren Mietwohnung, die sich mit großer Fürsorge um ihren Nachwuchs kümmert, sei es der globale Nelson Mandela oder der türkische Taxifahrer, der auf der Strasse aus dem Auto springt, um einen kleinen Jungen vor rabiaten Jugendlichen zu schützen  – diese und viele weitere interessante Antworten erhalten die Schülerinnen und Schüler in Gesprächen über „Heldentum“.

Die Gymnasiasten des Kant –Gymnasiums nähern sich dieser Aufgabe mit großer Behutsamkeit und wachsendem Bewusstsein und es ist jetzt schon zu sehen, dass das Thema etwas mit ihnen macht.“

Ein Beitrag von Gudrun Vogler und Isabel Stegner

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