Von Dvořák, Banditen und Drachen

Im allgemeinen Planetenfieber ist ein anderes interessantes Projekt des RSB etwas in den Hintergrund gerückt: „Klassik – was guckst Du“ –  eine 5. Klasse bebildert den 3. Satz von Dvořáks 9. Sinfonie. Das Ergebnis wird nicht nur im Kinderkonzert des RSB am 18. Mai gezeigt, es wird auch Teil des Dvořák-Experiments, eines deutschlandweiten ARD-Educationprojekts.
Die RSB Praktikantin Franziska Goltz hat in der Neuköllner Konrad Agahd Schule den Projektstart begleitet. Hier ihr Bericht:

Zu Beginn des Filmprojekts in der Konrad-Agahd Schule in Neukölln hatte ich noch gar keine genauen Vorstellungen, was auf mich zukommen würde. Ich glaube den Kindern in der Klasse 5 ging es zunächst ähnlich.
Als an den ersten beiden Tagen des Projekts die Musiker des RSB in die Schule kamen, um der Klasse den 3. Satz der 9. Dvořák-Sinfonie in kleiner Besetzung vorzuspielen, blödelten die Jungs noch viel herum, während die Mädchen sich sehr zurückhaltend verhielten. Die Aufgabe lautete anschließend, Assoziationen mithilfe von Standbildern, Play-Mais und kleiner Bühne auszudrücken. Hier fiel es den Kindern nicht ganz leicht, den Gedanken einmal freien Lauf zu lassen und genau das darzustellen bzw. zu basteln oder auf der „Mini-Bühne“ zu drapieren, was ihnen gerade in den Sinn kam. Trotzdem merkte man, dass viele bereits sehr interessiert an Musik, Musikern und Instrumenten waren.

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Schüler bei der Probe des RSB         Fotos: Gregor Baron

So konnte ich die aufgeregte Gruppe schon am nächsten Tag bei der Dvorak-Probe mit 80-Mann-Orchester im Haus des Rundfunks begrüßen. Die Kinder durften verteilt im gesamten Orchester sitzen- für viele eine sehr neue und beeindruckende Erfahrung, die viele Fragen an den Dirigenten und die Musiker aufwarf und nach der wohl auch die letzten Schüler von der Musik gepackt waren. Man braucht sich nicht wundern, dass darüber geklagt wurde, die Musik habe einen noch die gesamte Nacht verfolgt.

Nachdem die Filmkünstlerin Steffi Weismann schließlich am Anfang der folgenden Woche mit jedem Schüler einzeln noch einmal die Musik angehört hat, um Assoziationen und Ideen für Filmszenen zu sammeln und festzuhalten, kam auch ich wieder dazu und es ging mit der Arbeit los. Es sollte eine Mischung aus Trickfilm und realem Film gedreht werden, in dem jede Idee der Kinder zu finden sein sollte- das war wahrlich kein leichtes Vorhaben für die eine zur Verfügung stehende Woche!

Einmal losgelegt, machte es aber von Tag zu Tag mehr Spaß, sodass schon am zweiten Tag nicht nur der Drehplan mit allen Szenen und Beteiligten feststand, es entwickelte sich auch in jedem nach und nach ein Bild bzw. Film vom gewünschten Endergebnis. Die Kinder waren (zum Teil auch geschmacklich) begeistert vom Bastelmaterial „Play-Mais“ und bauten, natürlich manche mehr und manche weniger, ambitioniert ihre Drachen, Banditen, Vögel sowie Geburtstagskuchen und Bäume daraus.

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Filmkulisse: Die Burg         Steffi Weismann mit Schülern bei der Kameraeinstellung

Sobald dann auch noch die Kamera ins Spiel kam, waren alle ganz und gar in ihre Szenen vertieft. „Nein, es muss dunkler sein“, „Nee, die Bäume müssen weiter vorne stehen“- jeder hatte seine ganz eigenen Vorstellungen zur Musik im Kopf und die sollten natürlich auch genau umgesetzt werden. Schließlich hat Steffi mit den Schülern Szenen mit Verfolgungsjagden, kämpfenden Drachen, beängstigenden Horrorfiguren und vielem mehr gedreht- man darf sich auf das Zusammenschneiden und das Ergebnis freuen!

Wir haben bei der Arbeit mit den Kindern schnell gemerkt, dass Jungs und Mädchen gut (wohl auch besser als erwartet) harmonierten und die jeweiligen Arbeitsgruppen, zusammengesetzt nach ähnlichen Ideen und Vorstellungen, immer mehr zusammenwuchsen. Auch die Fragen „Sind wir heute dran? Darf ich heute kommen?“ hörten Steffi und ich jeden Tag häufiger- der Schulalltag wurde durch das Filmprojekt sichtlich aufgepeppt und darf nach einer Woche Erholung von all den aufregenden und neuen Erfahrungen sogar noch weitergehen- die Szenen werden mit allen Schülern gemeinsam zusammengeschnitten. Da kommt sicher noch einiges auf die Klasse 5 der Konrad-Agahd Schule, Steffi und mich zu. Aber ich bin sicher, das Ergebnis, ein Film- perfekt abgestimmt auf den vierminütigen Dvořák-Satz, wird nicht nur für die Schüler ein Highlight des Jahres 2014 werden.

Ein Beitrag von Franziska Goltz

Einen Bericht des RBB-kulturradio über das Projekt findet sich hier.

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