Das Education-Team stellt sich vor

10 Fragen an Isabel Stegner & Rudolf Döbler

Heute möchten wir Ihnen und Euch die Personen näher vorstellen, die diesen Blog vorrangig gestalten werden: Die Musikvermittlerin Isabel Stegner und den Schulbeauftragten des RSB, Rudolf Döbler. Beide haben bereits umfangreiche Erfahrung mit Kinderkonzerten, Schulworkshops und kreativen Education-Projekten gesammelt und stecken gerade mittendrin im aktuellen Projekt „Klassik – was guckst du?“. Für den Blog haben sie sich trotzdem die Zeit genommen ein paar Fragen zu beantworten.

Was für ein Instrument spielst Du selbst? Wann hast Du damit angefangen?

Isabel Stegner: Ich habe mit 6 Jahren angefangen, Geige zu spielen. Geige habe ich dann später auch studiert. Außerdem kann ich aber auch Bratsche spielen und ein bisschen Klavier, Blockflöte und Kontrabass.

Rudolf Döbler: Ich spiele Querflöte. Mit 6 Jahren habe ich mit Blockflöte angefangen, mit 8 Jahren Querflöte – das war ziemlich früh. Die Puste hat kaum gereicht und die Arme waren für die große Querflöte fast zu kurz (Damals gab es noch keine kleineren Schülerflöten).

Hat man als Profi-Musiker eigentlich auch mal keine Lust zu üben?

Isabel Stegner: Na klar! Mit anderen zusammen zu spielen, macht einfach mehr Spaß, als alleine im stillen Kämmerlein zu üben. Aber damit das Zusammenspiel funktioniert, muss eben auch jeder einzelne seine Stimme üben und auf seinem Instrument fit sein. Das gehört einfach dazu!

Rudolf Döbler: Natürlich! Wir sind auch nur Menschen! Aber wir brauchen die Disziplin, uns dennoch in Form zu halten und im Orchester Höchstleistung zu bringen. Da muss man sich zum Üben schon auch mal überwinden. Und dass die Lust auch mal beim Üben kommt, ist keine Legende – das kommt wirklich vor.

Musikvermittlerin Isabel Stegner mit Schülern der Konrad-Agahd-Schule. Foto: Kai Bienert

Musikvermittlerin Isabel Stegner mit Schülern der Konrad-Agahd-Schule. Foto: Kai Bienert

Hast Du einen Lieblingskomponisten?

Isabel Stegner: Meistens ist es der Komponist, mit dem ich mich gerade beschäftige. Wer mich aber immer wieder begeistert ist Mozart. Vor allem, weil er so viele verrückte Ideen hatte aber auch, weil seine Musik so direkt zum Hörer „spricht“.

Rudolf Döbler: Das wechselt und ist selten nur 1 Lieblingskomponist. Johann Sebastian Bach, Maurice Ravel, Astor Piazzolla, Luciano Berio, Salvatore Sciarrino und Franco Donatoni sind Namen, die in meiner privaten Hitliste immer mal auftauchen.

Wenn Du dir eine Musikepoche aussuchen könntest, in der Du leben könntest, welche wäre das?

Isabel Stegner: In der Barockzeit würde ich sehr gerne einmal „Mäuschen spielen“. Leben wollte ich da aber nicht – auf mein Badezimmer mit fließendem Wasser würde ich auf Dauer dann doch nicht verzichten wollen…

Rudolf Döbler: Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, da wurde so viel Spannendes ausprobiert!

Warum ist es dir wichtig, Kinder für klassische Musik zu begeistern?

Isabel Stegner: Für mich selbst war es eine riesige Bereicherung, als ich die klassische Musik für mich entdeckt habe. All diese Stimmungen und Gefühle, die da ausgedrückt werden und die man nicht in Worte fassen kann! Ich möchte gerne allen Kindern die Möglichkeit geben, diesen Reichtum auch für sich zu entdecken. Manche werden es mehr mögen als andere, aber jeder sollte zumindest die Gelegenheit haben, klassische Musik wirklich aus der Nähe kennenzulernen.

Rudolf Döbler: Für mich war der Musikerberuf nie eine x-beliebige Berufswahl, sondern eher eine Berufung. Ich erlebe in der klassischen Musik etwas, was ich nirgendwo anders erlebe. Und dann kommt noch das Wunder des Orchesterspielens hinzu: 80 bis 100 Menschen schaffen es, idealerweise wie ein Instrument zu klingen. Diese Glücksgefühle, die ich in dieser Weise und Differenziertheit nur in der klassischen Musik finde, möchte ich Kindern wenigstens in Ansätzen erlebbar machen.

Was macht Dir bei der Arbeit als Musikvermittler/-in am meisten Spaß?

Isabel Stegner: Ich finde es immer toll, wenn in einem Projekt zusammen mit den Kindern etwas Kreatives entsteht, wie z.B. ein Film oder eine Komposition. Da kann ich dann auch selber die Fantasie „fliegen lassen“.

Rudolf Döbler: Die glitzernden Augen einer ganzen Schulklasse, wenn es mir – z.B. bei einem Workshop in der Schule – gelungen ist,  sie mit Hilfe der Musik in eine Gemeinschaft zu zaubern.

RSB-Schulbeauftragter Rudolf Döbler in der Konrad-Agahd-Schule. Foto: Kai Bienert

RSB-Schulbeauftragter Rudolf Döbler in der Konrad-Agahd-Schule. Foto: Kai Bienert

Es gibt bestimmt einige Kinder, die partout kein Instrument lernen möchten. Wie würdest Du sie trotzdem motivieren?

Isabel Stegner: Von Anfang an mit anderen zusammen zu musizieren, am besten mit Freunden, motiviert sehr. Aber  ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn Kinder kein Instrument lernen. Es gibt so viele andere tolle Wege, auf denen man sich mit Musik beschäftigen kann! Genau das möchte ich den jungen Leuten zeigen.

Rudolf Döbler: Ich würde dasselbe sagen, was ich meinen Kindern bei Tisch sage, wenn sie ein neues Essen ablehnen: Erst probieren! Es geht um Erfahren und Erleben.

Wenn man mit Kindern zusammen arbeitet, passieren ja sicher viele unvorhergesehene Dinge. An welche lustige Begebenheit kannst Du dich besonders gut erinnern?

Isabel Stegner: Mit einer sehr kreativen Klasse habe ich einmal Instrumente aus Baumarkt-Material gebaut. Dabei sind wirklich lustige Dinge entstanden, unter anderem gibt es seither das „Pan-Fagott“, eine Mischung aus Panflöte und Fagott!

Rudolf Döbler: Als ich noch am Anfang meiner Musikvermittlungsarbeit stand, übernahm ich eine „Musikerpatenschaft“ für eine Grundschulklasse in Kreuzberg. Am Ende eines halben Jahres führten wir mit dieser Klasse beim Tag der offenen Tür der Schule einige experimentelle Stücke auf, die wir erarbeitet hatten. Ich war sehr aufgeregt und besorgt, wie wohl die vielen türkischen und arabischen Eltern und Großeltern diese Musik aufnehmen werden? Ich befürchtete, dass es für sie völlig fremd klingen würde. Die Schüler gaben ihr Bestes und waren sehr konzentriert. Leider war die Türe des Raums offen und Geräusche kamen vom Flur. Nach der Aufführung kam ein türkischer Großvater auf mich zu und sagte: „Sie hätten noch sagen sollen, dass wirklich alle Leute ganz leise sein sollen – das waren ja so schöne Klänge!“

Wen möchtest Du mit deinen Beiträgen in diesem Blog erreichen?

Isabel Stegner: Viele Leute jeden Alters, die Spaß am kreativen Umgang mit Klassischer Musik haben!

Rudolf Döbler: Alle neugierigen Menschen, die erfahren wollen, wie reich und vielfältig der Umgang mit Musik sein kann.

Und zum Abschluss: Dein Job ist ja sicher auch anstrengend. Was machst Du, wenn Du dich mal entspannen möchtest?

Isabel Stegner: Viel Zeit bleibt ehrlich gesagt nicht. Ich lese viel und gehe gerne ins Konzert oder Theater. Aber ich genieße es auch, zu Hause mit meinen eigenen Kindern einen schönen Film anzusehen (mit Popcorn!). Bei uns nebenan im Park gehe ich manchmal Joggen oder mit meinem Sohn Disc-Golfen, das ist sozusagen Golf mit Frisbees, statt der Löcher gibt es Körbe.

Rudolf Döbler: Joggen, Yoga, mit meinen drei Kindern spielen, Bücher lesen, Fahrradtouren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ein Beitrag von Lorna Lüers für das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

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